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Historische Wanderungen zu den Naturdenkmalen auf Gemarkung Hildrizhausen – Teil 3 der Serie


Volkssagen aus dem Schönbuch (Teil 1)

Wo ist der wunderbare, reiche Sagenschatz geblieben, der einst von Mund zu Mund und von Dorf zu Dorf getragen wurde? Der dem deutschen Wald seine anziehende und geheimnisvolle Zauberkraft verlieh und im deutschen Herzen die Liebe zum Wald nur noch tiefer werden ließ? Versunken, verschwunden und verklungen wie die letzten Töne eines Abschiedsliedes, der Vergessenheit anheimgefallen. Verstummt sind die Zungen, die einst die Geschichten vom „Ranzenpuffer" und „Schimmelreiter" lebendig von Generation zu Generation weitergaben, die immer wieder neue Begegnungen mit diesen Waldgeistern hatten und neue Geschichten von ihnen zu erzählen wussten.

Wie um andere größere Waldgebiete, so wurde auch um den Schönbuch ein reiches Sagennetz gewoben. Viele dieser Sagen sind verloren gegangen, und von den wenigen, die erhalten geblieben sind, lässt sich bei den meisten der genaue Ursprung nicht mehr feststellen. Außer den allgemeinverbreiteten Gestalten des Schimmelreiters Wodan, des wilden Heeres, der kleinen elbischen Waldmännlein, der gespenstischen Frauen und Schätze hütenden Jungfrauen hat der Schönbuch auch noch seinen eigenen Waldgeist, der seinem Tun und Treiben nach an Rübezahl, den Geist des Riesengebirges, erinnert. Als „Ranzenpuffer" war dieser Waldgeist in fast allen Schönbuchorten bekannt, und schon dem Namen nach läßt sich unschwer feststellen, dass man es mit einem recht unfreundlichen und streitsüchtigen Geist zu tun hatte, mit einem, der die Vorübergehenden auf den Leib (Ranzen) puffte oder stieß. Über sein Auftreten und Erscheinen berichtet die Sage folgendes von ihm:

„Ranzenpuffer war eigentlich ein Jäger auf dem Einsiedel bei Tübingen und führte ein gottloses Leben, quälte die Menschen, liebte Wein, Weiber und Spiel über die Maßen und trieb auch Zauberei, wofür er seit vielen hundert Jahren als Geist umgehen muss. Er spukt in dem ganzen Forstrevier, das er früher zu beaufsichtigen hatte.

Häufig sieht man ihn auch als Jäger gekleidet zu Fuß, mit dem Gewehr auf dem Rücken, allerlei Possen treibend. So zeigt er sich oft des Nachts an der Blaulach und läuft neben den Fußgängern her und sucht sie ins Wasser zu treiben. Zuweilen erscheint er mit, zuweilen ohne Kopf, indem er ihn wie einen Hut unter dem Arme trägt. — Gern schleicht er sich auch hinter die Holzleser im Walde und ruft ihnen plötzlich ins Ohr: ,Was, was ist's?', dass sie zusammenfahren und recht erschrecken. Auf einmal zeigt er sich dann als Fuchs, bellt zwei- oder dreimal und kommt ganz nahe zu den Leuten her und bringt sie in Angst. Überhaupt verwandelt er sich gern in Tiere. So lief er auch schon als Reh herum, schrie dreimal, wenn ein Mensch kam und sprang auf ihn los, als ob er ihn hätte umrennen wollen. Wenn man ihn sonst als Reh brüllen hört, so soll das eine Veränderung des Wetters anzeigen."

Quelle: „Eine Wanderung durch den Schönbuch“
Walter Hahn, 1956, Fest- und Heimatbuchverlag, Aalen



Vier Rotbuchen

Bild 1

Vier Rotbuchen

Diese stehen bei der Kohlhauhütte. Die vierte Rotbuche liegt nach einem Unwetter am Boden. Die Buchen wurden vermutlich 1823/24 gepflanzt.


Die Kohlhauhütte

Bild 2

Ein Bett und einen Unterstand für sein Pferd - viel mehr brauchte Hofjägermeister Constantin Sebastian Freiherr von Neurath (1847-1912) nicht auf seinen Jagdausflügen in den Schönbuch. Die erste "Kohlhauhütte", die er im Distrikt Lindach errichten ließ, war sehr spartanisch eingerichtet und mit der heutigen Waldhütte nicht zu vergleichen. Doch nicht nur Freiherr von Neurath fühlte sich hier wohl, sondern auch König Wilhelm II. Davon berichtet Pfarrer Paul Wolf, im Jahr 1906 Vikar in Hildrizhausen und Zeitzeuge der königlichen Hofjagd, in seiner Chronik: "Jedes Jahr kam der König bei seinen Jagden im Herbst auch in die Nähe von Hildrizhausen, wo er an der Kohlhauhütte mit seinem Gefolge Picknick hielt. Bei diesem Anlass ließen die hiesigen Schulkinder es sich nicht nehmen, mit ihrem Lehrer an die Kohlhauhütte hinauszugehen und den König mit einem Lied zu begrüßen. Das muss eine Art stillschweigende Übereinkunft schon von älterer Zeit her gewesen sein,..."

Alle Artikel der Naturpark-Serie finden Sie unter www.gaeubote.de/schoenbuch
Quelle: Gäubote Herrenberg, 15.08.2012

Hinter dem Fensterladen dieser Hütte fanden Waldarbeiter in den 50er Jahren folgendes Gedicht, dessen Original verschollen ist:

Träumend sitze ich hier in Waldesfrieden
Und des Augustes Sonnenschein
Sinnend über Wipfel brütet,
stumm und schläfrig sind die Vögelein.
Sinnend denke ich an frühere Zeiten,
als von Neurath ich das Mahl bereitet,
in der Hütte Haselmäus gefangen
und den Hirsch gefüttert mit drei Stangen,
den von Neuraths Kugel hat erlegt
und im Stadtwald in das Gras gestreckt.
Jetzt ist Botenlaufen meine Pflicht,
doch die Sehnsucht nach dem Wald stirbt nicht.

Christian Reichard, Hildrizhausen, Pferdebursche bei Herrn Oberförster Lausterer, geboren 1858, gestorben 1909.


Dicke Eiche

Bild 3
       Der Baum vor Weihnachten 2012



Bild 4
Die Reste nach Weihnachten 2012


Dicke Eiche (Eiche in der Kaupenklinge)

Es war die älteste und mächtigste Eiche im Schönbuch und wohl einer der ältesten in der ganzen Region Stuttgart. Das Alter wurde auf ca. 500 Jahre geschätzt. Da der Stamm hohl war, konnte das genaue Alter nicht bestimmt werden. Der Baum hatte einen Durchmesser von 7 m, Höhe und Kronendurchmesser waren stattliche 30 m.

Genannt ist die Dicke Eiche schon im „Schwäbischen Baumbuch“ von 1910. Die Eiche hatte schwere Sturmschäden. Zwischen dem 24.12.2012 und 27.12.2012 stürzte die altersschwache Eiche endgültig um. Die Zeitungen und auch der SWR berichteten darüber. Das Forstamt wird die Reste liegen lassen als Hinweis auf das Naturdenkmal.

Sie stand unweit des Kohlweihers, 300 Meter östlich der Kohlhauhütte (Kohlhau = Köhlerei in vergangenen Jahrhunderten).


Hubertus-Eiche

Bild 5

Hubertus-Eiche
zwischen Kohlweiher und Lindach

Alter ca. 400 Jahre
Stammumfang in 1 m Höhe: 4,76 m
Höhe: ca. 28 m
Kronendurchmesser: ca. 23 m

Die Hubertus-Eiche weist seit dem Winter 2013/2014 Schäden auf.

Hubertustag
Der Hubertustag ist am 3. November. Er ist dem heiligen Hubertus von Lüttich, dem Schutzpatron der Jagd gewidmet. Die Gebeine des heiligen Hubertus wurden am Hubertustag, dem 3. November 743 erhoben. An diesem Tag finden alljährlich große Hubertusjagden und Hubertusmessen statt. Auch Reitjagden werden traditionell am Hubertustag durchgeführt.
Der Hubertustag wird unter Klerikern und Jägern auch scherzhaft Allerhasen genannt. In Verbindung mit den ersten beiden Novemberfeiertagen ist die Festfolge also Allerheiligen, Allerseelen und Allerhasen.


Die Jagd im Schönbuch

Zu ernten gäb's, der Bauer will ins Binden,
Zum Herrendienst ruft ihn die Fron;
Auf Schweins- und Hirschhatz muss er krumm sich schinden,
Um saure Mühe winkt ihm karger Lohn.
So muss er Tag um Tag sich ducken, plagen,
Und abends müd' gejagt, holt er sich Mut
Aus seines Försters Trost:
Heut hat's nicht eingeschlagen;
Gedonnert hat der Herr: Heut ging's gut.

Bild 6

„Die Jagdleidenschaft der württembergischen Fürsten belastete unsere Vorfahren durch zwei Jahrhunderte mit harten Frondiensten. Wenn eine Jagd angesetzt war, musste die jagdfähige Mannschaft oft wochenlang Tag für Tag im Schönbuch zubringen, und zu Hause blieb die schwere Feldarbeit an Frauen und Kindern hängen. Vom 11. Oktober bis 24. November 1749 waren die herrschaftlichen Jagdhunde im Hundshaus in Weil im Schönbuch untergebracht.

Bild 7

Während diesen 44 Tagen mussten sich täglich 100 Mann stellen, die entweder die Jagdhunde auszuführen hatten oder drüben im Schönbuch bei der Jagd eingesetzt waren.

Herzog Karl Eugen speiste innerhalb dieser Zeit dreimal im Schönbuch. Jedes Mal musste alles, was zu einer kalten Küche benötigt wurde an Holz, Tischen, Stühlen, Kübeln, Kesseln, Brettern und Wasser von Weil im Schönbuch aus hinübergeführt werden. Auf 10 Wagen, jeder mit zwei Paar Ochsen bespannt und begleitet von 18 Handfrönern, rollten die angeforderten Gegenstände in den Wald.

Revierförster Bechtner hinterließ uns in seiner Revierchronik ausführliche Beschreibungen dieser Jagden im Schönbuch. Als Leibbüchsen-Spanner König Friedrichs von Württemberg (Großvater des letzten württembergischen Königs) wurde er am 2. Februar 1812 zum Kgl. reisigen Förster nach Weil im Schönbuch ernannt.“


Quelle: „Eine Wanderung durch den Schönbuch“
Walter Hahn, 1956, Fest- und Heimatbuchverlag, Aalen



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Verfasser: Gemeinde Hildrizhausen, 05.03.2015



Alle Angaben sind "ohne Gewähr" - für die Richtigkeit ist der Verfasser verantwortlich.