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Historische Wanderungen zu den Naturdenkmalen auf Gemarkung Hildrizhausen – Teil 4 der Serie


Kohlweiher

Bild 1

Der 3200 Quadratmeter große, vom Vorderbach gespeiste Kohlweiher wurde 1975 angelegt und sollte der Waldlandschaft des Naturparks einen neuen Reiz geben und die Wanderer zu beschaulicher Rast einladen.
Der Weiher ist gleichzeitig auch Löschwasserreserve bei Waldbränden und bietet Wasservögeln Nist- und Brutplätze.
Quelle: http://naturpark-schoenbuch.de/de/entdecken/sehenswuerdigkeiten/seen-und-weiher/kohlweiher/
Geschäftsstelle Naturpark Schönbuch, Im Schloss, 72074 Tübingen 



Baum-Meditation

Sich in aller Stille an einen Baum lehnen
meinen Herzschlag hören, meinen Atem fühlen
langsam sich fallen lassen
das Rauschen der Blätter hören, die Rinde fühlen
mein Herz schlägt im Takt der Natur
der Atem fließt
durch den Baum, durch mich

© Carmen Burre


Lausterer-Eiche (Quercus robur – Stieleiche)

Bild 2

Alter: ca. 350 Jahre
Stammumfang in 1 m Höhe: 4,36 m
Höhe: ca. 29 m
Kronendurchmesser: ca. 23 m


Standort am Kohlweiher. Benannt nach Oberforstrat Friedrich Lausterer (1853-1933), dem letzten Leiter (1881-1900) des 1898 aufgelösten königlichen Revieramtes Hildrizhausen und erster Leiter des danach begründeten Revieramtes Herrenberg, welches 1902 zum Forstamt erhoben wurde.

Bild 3



Häußermann-Eiche

Bild 4

Mächtige Eiche, Baum vital und in gutem Zustand, Umfang ca. 2,60 m, gewidmet am 16. Mai 1973, ca. 200 Jahre alt.

Bild 5

Wilhelm Häußermann, 29. März 1901 – 22. Mai 1973, Forstamtmann. Einzug in das Forsthaus in Hildrizhausen am 11. Januar 1931. Wurde im September 1939 zum Kriegsdienst nach Polen einberufen und wurde bei der 2. Armee als Forstmann eingesetzt, die er während des Feldzuges mit Holzkohle versorgen musste. Letzter Fronturlaub April 1944. Am 8. Mai 1945 kam er bei Hela (Danzig, Polen) in russische Gefangenschaft – Lager Minsk. Im Dezember wurde er aus der russischen Kriegsgefangenschaft entlassen und kam am 19. Dezember 1948 vormittags 8.00 Uhr am Forsthaus Hildrizhausen an. Vor Dankbarkeit gab es viele Tränen. In seiner Hausbibel vermerkt er: „Endlich daheim, nie wieder Krieg“.

1957 wurde mit dem Neubau eines Eigenheims begonnen. Der Umzug vom Forsthaus in das Eigenheim in der Herrenberger Straße 29 fand am 7. August 1958 statt. Wilhelm Häußermann verstarb am 22. Mai 1973.



Häußermann mit Waldarbeiter, Foto aus den 1950er Jahren
 
Bild 6

von links nach rechts:

1.    Karl Holder senior, Großvater von Ernst und Wilfried Holder
2.    Karl Holder junior, Vater von Ernst und Wilfried Holder
3.    Ernst Schneider, Ehemann von Else Schneider
4.    Wilhelm Gauß, Vater von Hannelore Baumann
5.    Gottlob Zwirner, Großvater von Manfred und Walter Zwirner
6.    Christian Berner, Großvater von Karl-Heinz Veyhl
7.    Robert Fischer, Großvater der Gebrüder Fischer in der Tübinger Straße
8.    Wilhelm Häußermann, Vater von Horst und Wilhelm Häußermann


Gedicht zur Einweihung der Häußermann-Eiche

Mitten drin im Schwabenländle
Kam um die Jahrhundertwende
Wilhelm Häußermann zur Welt.
Blonde Haare, blaue Augen:
Zu was wird der Bub wohl taugen?
Diese Frage ward gestellt.
Wird er Forstmann, wird er Küster
Oder wird er gar Minister?
Fähig er zu allem schien.
Wird er mit so vielen Andern
Neuland suchend weltweit wandern?
Nein, er blieb bei Mutter Grün!
Kam nach Lehr- und Wanderjahren,
In den Schönbuch her gefahren,
Wo es Hirsch' und Eichen gibt.
Beiden fühlt' er sich verbunden
Und in vielen Tausend Stunden
Zeigt' er, dass er beide liebt.
Manches wär' noch zu berichten
Von ganz "wahren" Jagd-Geschichten,
Wirklich wahr, kein Wort Latein!
Auch von Kohlhauhütten-Stunden,
Wo mit Holzern, Jägern, Hunden
Häufig gab's ein Stelldichein,
Millionen junger Bäume
Pflanzt' man in die Schönbuch- Räume
Von der Kohlhau-Saatschul' aus.
Viele Männer, viele Frauen,
Die auf Jahre rückwärts schauen,
Denken gern an's Kohlhau-Haus,
Danken Häußermann, dem Alten,
Der es ständig so gehalten,
Wie ein kluger Vater tut:
Lenken, leiten, tadeln, loben,
Meist beherrscht, kaum jemals toben:
Vorwärts stets mit frischem Mut.
Denken wir an Meister Volz.
Wilhelm hatte ihn als Lehrer
Heut' noch ist er sein Verehrer
Und erinnert sich voll Stolz,
Dass beim kritisch-strengen Alten,
Den so Viele, "herrisch" schalten,
Er in gutem Anseh'n stand.
Allen, die im Schönbuch hegen,
Und die Eichen sorgsam pflegen,
Männern, Frauen, sei gedankt!
Häußermann in diesen Reihen
Kann sich besten Rufs erfreuen,
Ihm ward viel Erfolg zuteil.
Drum als Lob- und Dankeszeichen
Tauft man von den Schönbuch-Eichen
Heut' ihm eine.  Weidmannsheil!

P. Stehle, 16. Mai 1973


Ludwig-Volz-Tanne (Abies alba - Weißtanne)

Bild 7

Alter: ca. 110 Jahre
Stammumfang in 1 m Höhe: ca. 2,10 m

Der Gipfel der Tanne wurde durch Orkan Lothar
am 26. Dezember 1999 abgebrochen.

Bild 8

Am Fuße der Tanne steht eine Bank.

Benannt nach Ludwig Volz, eines Forstmannes, der 30 Jahre lang das Forstamt Herrenberg geleitet hat. Er war es, der als einer der ersten unsere Naturdenkmale im Schönbuch beschrieben, fotografiert, geschützt und gepflegt hat (siehe nächste Seiten).


Ludwig Volz
21.7.1864 bis 1.2.1950

Die Ludwig-Volz-Straße in Mönchberg erinnert an einen Forstmann, dem von 1900 bis 1932 als Ober-Forstmeister die Wälder um Herrenberg anvertraut waren.

Bild 9

Die alten Herrenberger erinnern sich noch an ihn: Hochgewachsen, drahtig und schlank war er, ein „Herr" wie man erzählt, im Ersten Weltkrieg als Offizier hoch dekoriert, streng und doch mit viel sozialem Empfinden, geradlinig in seiner Lebensführung, wie in seiner Art, Waldbau zu betreiben. Unter seiner Leitung wurde das 1902 von Hildrizhausen in die Hindenburgstraße nach Herrenberg verlegte Forstamt bekannt und berühmt (heute Gärtnerei Haußmann), Ausbildungsschwerpunkt und Ziel zahlreicher Exkursionen.

Volz war als Forstmann in vielem seiner Zeit voraus. Mit ihm fanden die ausgedehnten Fichten-und Kiefernaufforstungen und die Reinbestandswirtschaft des 19. Jahrhunderts ihr Ende. Er war es, der energisch die Wiedereinbringung und Aufzucht der Laubhölzer Eiche und Buche erfolgreich betrieb.  Seiner Initiative, seinem breiten natur- und standortskundigem Wissen verdankt auch der Her¬renberger Stadtwald, der ihm besonders am Herzen lag, hervorragende, standörtlich einfühlsam geplante und gepflegte und deshalb stabile Waldbestände. Beispielhaft erwähnt seien die ausgedehnten Eichen-Mischwälder am Sommertalhang und im Kayhertal.

Stets lag ihm der landschaftliche Reiz und die Bedeutung gerade des Stadtwaldes für die Erholung der Bürger am Herzen. Die heutige Erholungslandschaft um den Alten Rain geht auf ihn zurück. Er war es auch, der die alten, würdigen Bäume, auch des Stadtwaldes, wie etwa die 24 Buchen, die Große Linde oder die Schöne Forche, nur um einige zu nennen, unter Naturschutz stellen ließ.

Daneben vertiefte sich Volz mit wissenschaftlicher Akribie und großer Passion in die Waldgeschichte. Seine bedeutendste schriftliche Hinterlassenschaft ist der Beitrag: „Aus den Wäldern der Stadt Herrenberg“ in der Festschrift zur 700-Jahr-Feier der Stadt vom Jahr 1928.

Er erfasste alle besonderen Steine, besonders die Grenzsteine im Forstbezirk und suchte nach Inhalt und Bedeutung der Grenzzeichen. Den Herrenbergern wohlbekannt sind dann aber auch die Steine, die Ludwig Volz entwarf, bestellte, selbst bezahlte und setzen ließ: Den Försterstein im Lindach und den Kaiserstand im Mähdertal.

Das Wirken von Ludwig Volz in der Stadt und im Stadtwald war geprägt von der aufrichtigen und auf gegenseitiger großer Achtung beruhenden sehr vertrauensvollen Zusammenarbeit mit Stadtschultheiß Haußer und von einer respektvollen Anerkennung der „bürgerlichen Kollegien", die in den jährlichen Waldbegängen zu Gedankenaustausch und Wissensvermehrung angeregt wurden.

Der größte Dienst, den Volz im Schulterschluss mit Stadtschultheiß Haußer und gegen großen Widerstand der Bürgerschaft dem Walde tat, war die Abschaffung der in den 20er Jahren endgültig überholten Bürgergaben. Diese Entscheidung befreite den Stadtwald vom Druck stets wachsenden Raubbaues am Laubholz und erleichterte den Weg zu einer geordneten Waldwirtschaft.

Außerhalb Herrenbergs wurde Ludwig Volz durch seine langjährige Mitgliedschaft im Württembergischen Forstwirtschaftsrat und als Mitbegründer der heute noch bestehender Forstwaisenstiftung bekannt.

Das Wirken von Forstmeister Ludwig Volz wird im Stadtwald noch lange fortdauern, werden doch die von ihm einst begründeten Eichenbestände noch mehr als 100 Jahre, von heute aus gerechnet, weiterleben und wie der „Ludwig-Volz-Weg“ am „Urschelrain“ und die „Ludwig-Volz-Linde“ „ob der langen Klinge“ von diesem bedeutenden Forstmann Zeugnis ablegen.

Ludwig Volz lebte bis 1950, zurückgezogen im „Waldhaus"  bei Hildrizhausen. Im Dorf fand er an der Nikomedeskirche seine letzte Ruhestätte.

Hansjörg Dinkelaker, Forstdirektor a.D.


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Verfasser: Gemeinde Hildrizhausen, 12.03.2015



Alle Angaben sind "ohne Gewähr" - für die Richtigkeit ist der Verfasser verantwortlich.